Teatime for Elli

27April
2012

Die ersten Abschiede

Kaum vorstellbar, dass ich nun schon so lange hier bin und langsam alles ein Ende nimmt. Dies bedeutete natürlich auch, von dem ein oder anderen Abschied zu nehmen.

Gestern lud mich meine Gastfamilie in den Dorfpub zum Abschiedsdinner ein. Grund für das vorgezogene Dinner war, dass Chris über das Wochenende zum Junggesellenabschied eines Kumpels reist. Außerdem werden die Kids doch nicht das Wochenende daheim verbringen, sondern bei ihrem Vater.

Ich hatte zunächst ein wenig Bedenken, dass es sehr angespannt wird und wirklich sich alles nur um den Abschied dreht. Dies hätte den ganzen Abend nicht wirklich schön aussehen lassen. Aber wider Erwarten war es ein sehr lustiger Ausklang, ein großes Fressen und hatte keinesfalls den Anschein nach Abschied. Sehr gut! Ich wollte nämlich nicht jetzt schon sentimental werden.

Ich entschied mich für ein letztes typisch britisches Dinner: Fish'n'Chips und ein Cider dazu! Als ich eine große Portion bestellte, war mir die Definition von "groß" noch nicht all zu bewusst. Das Ausmaß war ein ca. 10x30cm frittierter Kabeljau - wer sollte das bloß essen? Zwinkernd

Im Verlaufe des Abends entschied Sam: "Elli, wenn ich endlich 18 Jahre alt bin, müssen wir unbedingt zusammen feiern gehen!"

Ich: "Prima Idee! In England oder in Deutschland?"

Sam: "Mir egal... Was meinst, du die besseren Parties steigen?"

Ich: "Bin mir nicht sicher. Aber in Deutschland enden die Nächte erst früh um 6, nicht wie bei euch bereits um 2 Uhr." Zwinkernd

Sam: "Okay, dann definitiv Party in Deutschland!"

Für mich war es meine Art Feedback, dass ich offenbar als Au Pair nicht versagt habe - zumindest bei einem der Kinder nicht. Seine Schwester ist offenbar ein spezieller Fall, was hoffentlich auch die Eltern wissen. Ich bin froh, dass es den Großen gibt, andernfalls käme ich mir wohl als absoluter Looser vor.

Heute morgen brachte ich die Kids zur Schule. Den Großen knuddelte ich noch vor Abfahrt von zu Hause mit den Worten "Ich will dich ja nicht später vor deinen Jungs blamieren. Zwinkernd", worauf hin er mich sofort nach meinen Facebookdaten fragte, um mit mir in Kontakt zu bleiben. Mein Herz machte einen kleinen Sprung. Ehrlich gesagt hätte ich als zwölftes (!) Au Pair in diesem Haus nicht so viel Interesse eines 14-Jährigen erwartet. Als ich ihn am Busstop absetzte und er mir nochmal hinterher winkte, schossen mir schlagartig die Tränen in die Augen.

Zum Glück konnte ich diesen Kummer sofort wieder vergessen: ich sammelte seine Schwester daheim ein, um sie zur Schule zu bringen, und sofort war mir wieder klar, weshalb ich mich auf der anderen Seite wieder freue, England zu verlassen. Der Abschied an der Schule war ein recht ernüchternes "Goodbye" von ihr. Immerhin mehr als erwartet!

Daheim erwartete mich das nächste Familienmitglied, um mich innig zu herzen. Chris sah ich ja auch an diesem Morgen das letzte Mal. Offenbar hatte ich einen besseren Draht zu den männlichen Familienmitgliedern. Vielleicht bin ich ja eher der burschikose Au-Pair-Typ... Vielleicht sind aber auch Männer einfach nur die umgänglicheren Geschöpfe.

Ich verbrachte den Rest des Vormittages mit Little Bella und den letzten Kleinigkeiten, die im Haus zu erledigen waren. Zum Lunch war ich mit Patri im amerikanischen Restaurant "Frankie & Benny's" verabredet. Da ich ja am Vortag nicht genug bekommen hatte, verdrückte ich gleich nochmal einen riesen Cheeseburger! Auch für uns war es das letzte gemeinsame Treffen und wir beide waren schon sehr traurig, uns nach so kurzer Zeit bereits wieder trennen zu müssen. Ich wurde von ihr im "COSTA" noch zu einem Kaffee eingeladen und alles endete dort, wo es eins begann. Klingt fast wie eine kitschige Liebesgeschichte. Wir entschieden, uns nicht mit den Worten "Goodbye" zu verabschieden, sondern dem ganzen mit einem "See you later" positiv entgegen zublicken. Schließlich wollen wir uns so bald wie möglich wieder sehen - entweder in Dresden oder Madrid. Zwinkernd

23April
2012

Bürgeraktion

Es ist Montag und meine letzte Woche ist angebrochen. Bei vielen Dingen, die ich erledige, denke ich mir: "Das ist das letzte Mal - zum Glück!" Es wird aber sicher auch Momente geben, wo ich mir denke: "Schon vorbei?!" Stirnrunzelnd

Die Kinder hatten heute ihren letzten Schultag und morgen beginnt auch für sie wieder der Alltag. Für mich bedeutet das allerdings auch, wieder zeitiger aufzustehen.

Heute habe ich die Familie bei einer Art Bürgerinitiative unterstützt. Unmittelbar neben dem Haus gib es Land, welches einen alten Mann gehört. Dieser möchte nun dieses Land platt wälzen, um Parkplätze zu errichten, die eigentlich keiner benötigt, weil wir hier am Ende der Welt wohnen. Zum einen bedeutet das, dass ein ganzes Stück Wald und die natürgeschützen "blue-bells" weichen müssen. Außerdem befürchtet meine Familie, dass er weitere undurchschaubare Pläne schmiedet, die sie irgendwann mal beeinflussen oder ihre Wohnsituation negativ beeinträchtigen könnte. Deshalb bereitete meine Hostmom heute einen Rundbrief an die Anwohner der Oaklands vor - insgesamt steckten in jedem Brief sicher mehr als 10 Seiten! Ich half ihr diese zu sortieren, zu tackern, einzutüdeln und gemeinsam mit den Kids plus Hund liefen wir bei strömendem Regen durch die Siedlung und verteilten etwa 40 Briefe. Nicht besonders viel und wir waren unerwartet schnell fertig. Wenn sie genügend Stimmen haben, wird der Bau der Parkplätze verhindert. Ha, solche Aktionen kommen mir auf meiner Kindheit irgendwie sehr bekannt vor und ich hatte Spaß daran, mal was anderes zu tun, als meinen normalen Au Pair-Job. Zwinkernd

Heute kam ich auch zum ersten Mal das Vergnügen, mich körperlich mit einem 14-Jährigen zu messen. Aus der Küche vernahm ich ein Streitgespräch aus dem Spielzimmer und ehe ich mich versah, nahm Sam seine Schwester in den Schwitzkasten und tat ihr derb weh. Es handelte sich hier um keinen Spaß, denn sein Gesicht war voller Zorn erfüllt. Mit aller Kraft habe ich versucht, die beiden von einander fern zuhalten, was auch eine körperliche Herausforderung für mich war. Ich schrie letztendlich beide nur noch an: "Beide in getrennte Zimmer!!!" Mit ihr kann man in solchen Situationen überhaupt nicht reden, deswegen fragte ich ihn, was vorgefallen war. Tja, der gute Sam lässt sich leider immer und immer wieder von dem kleinen Biest provozieren. Ich versuchte ihn zu beruhigen und habe ihm erklärt, dass ich verstehe, dass er sich angegriffen fühlt, wenn sie ihn mit Worten aufzieht. Ich gestand, dass sie es bei mir ähnlich versucht - aber wir sind beide älter als sie und müssen uns nicht körperlich messen.

In solch Situationen musste ich in den letzten Monaten schon öfter platzen, heute war jedoch schon grenzwertig. Dabei erinnere ich mich immer an die Worte meines Hostdads: "Never ever leave them alone in the same room."

Soviel zum Thema "Don't leave children under 14 unattended." Zwinkernd

22April
2012

Rund um den Olympic Park und Hyde Park

Einen ausgetüftelten Plan hatte ich für Sonntag noch nicht. Aber den habe ich selten, wenn ich nach London fahre. Alles was ich brauche ist eine Tube Map (leider daheim vergessen!) und meinen National-Geopraphic-Reiseführer, den ich allen sehr empfehlen kann.

Mein Hostdad fragte mich ein paar Tage zuvor, ob ich denn schon mal in East London gewesen wäre. Mit East London verband ich bisher nur ein Negativ-Image, ich denke sowas wie bei uns Prohlis, Gorbitz & Co. Was ich nicht wusste: dass dort, speziell in Stratford, der Hauptteil der Olympischen Spiele 2012 ausgetragen wird. Spitze, also nix wie hin! Das Wetter war perfekt, ich war alleine und konnte mir den Tag frei gestalten, wie ich wollte und meinen eventuell letzten Tag in London voll auskosten. Am Bahnhof "Stratford" wurde ich von einer riesigen Shopping Mall erschlagen. Sie war so riesig, dass sogar Leute aufgestellt wurden, die den Weg durch den Einkaufstempel zum Olympic Park lotsten - wahrscheinlich würde man sich wohl verlaufen. Kaum hatte ich die gläsernen Fassaden hinter sich gelassen, trotzte mir die pure Realität entgegen: ein offenbar weniger reiches Stadtviertel, das nur zum Wohnen und mit jeder Menge Hochhäuser diente. Mittendrin der Olympic Park, der 2,5 Monate vor Start der Spiele noch einer Baustelle gleicht. Sehr gerne wäre ich direkt hinein gegangen, aber ich wollte mich nicht in die lange Schlange einreihen und ich fand leider auch nicht heraus, was an Eintritt verlangt wird. Also schleichte ich um die Anlage herum und versuchte so viele Eindrücke wie möglich von außen zu bekommen.

Da ich es nicht besonders mag, den gleichen Weg zurückzulaufen, den ich gekommen bin, schlug ich die Route ins Wohnviertel ein. Mein Fehler! Scheint DER soziale Brennpunkt schlechthin zu sein. Die Anwohner machten keinen vertrauenserweckenden Eindruck, genauso wie das Viertel, in welchem ich offenbar der einzige Touri (und hellhäutige Mensch) war. Ich wusste, in welche Richtung ich musste, um zum Bahnhof zurück zu kommen. Nur leider führte keine Straße hinaus, sondern führte mich nur noch weiter ins Ghetto. Bin ja bestimmt kein Angsthase, aber in dem Augenblick war mir schon etwas flau im Magen. Natürlich habe ich es lebendig herausgeschafft - das Spiegelkabinett am Tag zuvor war allerdings ein Spaziergang dagegen Zwinkernd

Blick über den Zaun: Olympic Park Kontrastreiche Welt

Meinen Gasteltern berichtete ich später meine Erlebnisse und fragte sie, warum ausgerechnet dort die Olympischen Spiele stattfinden. Die Umgebungs sei in meinen Augen keinesweges attraktiv. Sie erklärten mir, dass man damit versuche, das Image von East London und vor allem auch die wirtschaftliche Lage ein bisschen aufzubessern. Find ich sehr gut!

Nach dem kleinen Ausflug ins Abseits Londonds fuhr ich wieder ins Zentrum und versuchte einen erneuten Start bei "Speakers Corner" - mit Erfolg! Diese Ecke im Hyde Park ist seit Jahren bekannt für die Menschen, die ihre Meinung zu brisanten oder auch wenigen brisanten Themen äußern wollen. Darüber hinaus gibt es aber auch genügend Selbstdarsteller, welche gerne die Aufmerksamkeit vieler Menschen genießen. Davon gab es heute gleich vier. Über das Thema waren sie sich einig: Religion. Nur hatte jeder über eine andere Religion bzw. den Atheismus debattiert. Am witzigsten sind aber die Zwischenrufe des Publikums (vom Anzugträger bis zum Penner alles dabei). Ein wenig abseits von den Darstellern eröffneten zwei ältere Herren arabischer Abstammung eine weitere Diskussion und zankten wie zwei alte Weiber. Sehr interessant war für mich, dass vor Allem arabisches Publikum (von dem ich ausging, es wären Moslems) sich in das Thema Christentum und Judentum mit einbrachten (ich verstand leider nicht das Kernthema). Ich hatte allerdings nicht den Eindruck, dass sie an Allah glauben, denn davon hörte ich nicht ein Wort.

Reges Treiben an Speakers Corner

Ich kapselte mich von den etwas verrückten Leuten ab und setzten meine Route nach Notting Hill fort. Diesen Stadtteil habe ich ganz besonders ins Herz geschlossen, da er mich in eine Art Urlaubsfeeling holt. Keine Hektik, kein starker Verkehr, ein kilometerlanger Markt voller Antiquitäten, Souvenire, Textilien und Lebensmittel. Davon wollte ich noch etwas aufsaugen...

Portobello Road Portobello Road deluxe ;) Notting Hill ist einfach ein FLAIR :)

...bevor ich mich ins "Harrods" traute. Natürlich sah man mir - und auch vielen anderen Touris - an, dass wir nicht zu dem Klientel gehörten, das sich mal eben im "Harrods" einkleidet. Nicht an allen Textilien konnte ich Preisschilder entdecken. Ein Kleid, welches mir gut gefiel, kostete 1700 Pfund! Wow! Mir war schnell klar, dass das hier kein "Primark" war, sondern Designerklamotten von Prada, Gucci, D&G, Valentino, Louis Vuitton und hunderten anderen Marken. Ich leistete mir allerdings ein paar Souvenire aus der Food Hall, deren Preise auch ein bisschen dem Portemornaie der Touristen angepasst waren. Darüber hinaus gehörten Gänsestopfleber und Belugakaviar - Ruinart-Champagner nicht zu vergessen! - zum Standard.

Mir passierte es einige Male, dass ich nicht mehr aus der jeweiligen Etage herausfand. Ähnlich wie in East London, nur hatte ich hier keine Angst, Wertsachen abgenommen zu bekommen Zwinkernd. Das Einkaufszentrum ist einfach zu groß und zu verwinkelt.

Ein heimlicher Schnappschuss in der Egyptian Food Hall Wer hat, der kann, ne? ;D

Total erschöpft schlief ich im Zug zurück ein und bin zum Glück eine Haltestelle vor Welwyn North aufgewacht. Das war ja mal ein kontrastreicher Tag!

21April
2012

Believe it or not!

Dem Samstag blickte ich schon die Woche über freudig entgegen. Endlich würde ich die Au Pairs (Patri und Jule) wiedertreffen! Hinzu kamen noch Sarah-Christin - das Mädchen, dass schon mal im Dezember als Au Pair hier war und wieder gehen musste - und Jana. Eine deutsche Gruppe mit spanischem Anhang. Bedeutete für uns also, dass wir den ganzen Tag Englisch sprechen müssen (wollten!), damit es Patri nicht vorkam, als ob wir über sie reden würden. Auch wenn sie manchmal gar nicht in unsere Nähe war, führten wir unsere englischen Konversationen fort. Hat riesig Spaß gemacht und man kam sich auch keineswegs albern vor.

Ganz oben auf unserem Tagesplan stand der Besuch im "Ripley's, believe it or not". Mr. Ripley war ein Globetrotter, der Kuriositäten und bizarre Dinge der ganzen Welt fotografierte/filmte und diese in seinen "Museen" veröffentlichte. Eines davon findet man in London am Picadilly Circus. Doch bevor wir dieses betreten konnten, suchten wir noch nach einem sechsten Compagnon, weil wir gerne die 2for1 Vouchers einlösten wollten. Auch diese Attraktion schlägt mit stolzen 30 Pfund/Person zu buche! Etwas verzweifelt verließen wir allerdings beizeiten wieder die Eingangshalle, da keiner Interesse hatte. Wir einigten uns darauf, es zu einem späteren Zeitpunkt zu versuchen, wenn vielleicht mehr Besuche anstünden.

Ich schlug vor, den Mädels das M&M's World zu zeigen, dass 5 Minuten Fußmarsch entfernt war. Es stellte sich als gute Wahl heraus, sie waren absolut fasziniert! Und ich habe mir wieder eine Tüte M&Ms gekauft (diesmal im Deutschland-Style)... Oops, I did it again!

Wir kamen zurück zum "Ripley's" und ich erwischte nach einigen Versuchen ein russisches Ehepaar. Richtige Begeisterung sah anders aus, er zuckte mit den Schultern und willigte letztendlich ein. Offenbar gehörten die beiden zu dem wohlhabenden Teil der Russen, denn ihnen schien es ziemlich egal zu sein, ob sie nun den vollen Preis zahlen müssten oder nicht. Hauptsache, WIR mussten nur die Hälfte zahlen! Zwinkernd

Das Mussem steckte voller faszinierenden, schockierenden, ekelerregenden und lustigen Dingen. Einer meiner Favouriten war dieses Video:

Finde den Fehler :-o Aus Kamelknochen geschnitzt Mr. Ripleys Portrait aus M&Ms John F. Kennedys Portrait aus toten Schmetterlingen Blick auf den Picadilly Circus Der Mann mit der längsten Nase der Welt: 19 cm! Princess Dianas Portrait aus Stoffresten Queen Elizabeths Portrair aus Pennymünzen Duckface 2.0 ;) Schwerster Mann der Welt Shrunken head

Nachmittags zogen wir ein wenig planlos weiter zum Hyde Park, um zu sehen, ob jemand bei "Speakers Corner" eine der berühmten Reden schwingt. Leider war das nicht der Fall und wir konnten nicht mal ein wenig spazieren, da es mit einem Mal anfing zu regnen.

Nun zauberte Jana die Idee aus dem Hut, uns zum zum "Westfield Shopping Centre" am Shepherds Bush zu zeigen. Sie sagte, es ist die größte Shoppingmall in ganz Europa. Zumindest war sie mit Abstand das größte Einkaufscenter was ICH gesehen habe. Später fand ich raus, dass es inzwischen noch ein NOCH größeres "Westfield" in Stratford (East London) gäbe, wo ich auch am Sonntag war. Big, bigger, supersize! Man kann es auch übertreiben. Zwinkernd

Ich fand es schön, dass es immer wieder Dinge in London gibt, die auch ich nach 6 Monaten England-Aufenthalt noch nicht gesehen habe. Der Tag mit den Mädels ging langsam den Ende zu und wir waren uns alle nicht ganz sicher, ob wir schon Abschied nehmen sollte, da wir uns noch nicht alle über unsere Pläne in der Folgewoche im Klaren waren. Schweren Herzens drückte ich alle ganze doll und verabschiedete mich von ihnen. JETZT hatte ich das erste Mal so richtig Kummer, weil ich die Mädels nach so kurzer Zeit schon sehr ins Herz geschlossen hatte. Wir wollen alle in Kontakt bleiben - und wer weiß, vielleicht gibt es ja irgendwann mal eine Reunion oder ich verbringe meinen nächsten Urlaub in Madrid bei Patri?! Zwinkernd

19April
2012

Rain...Sun...Rain...Sun...Rain...

Aber die meiste Zeit ist es doch durchgängig verregnet. Unglaublich dieses Wetter, sowas habe ich wirklich noch NIE erlebt! Und faszinierend zugleich. Vielleicht hat ja jemand für mich eine wissenschaftliche Erklärung. Heute hat es zur Abwechslung auch mal wieder gehagelt.

Mit dem Hund Gassi zugehen, wurde in den letzten Tagen auch etwas zur Herausforderung. Zum einen musste ich den Augenblick abpassen, in dem es mal nicht regnete (und schnell genug wieder zurück sein), zum anderen muss ich ja immer den "jünsten Spross" der Familie mitnehmen, weil ich sie nicht alleine zu Hause lassen darf (Erklärung siehe vorigen Blogeintrag). Frage mich, wie das nächste Au Pair das managet, vor allem in den 9-wöchigen Sommerferien!Überrascht

Ich bin gestern mal alleine mit Hundi rausgegangen (G. war nicht da). Hatte alle Hände voll: in der einen die Leine, in der anderen den Regenschirm. Sah bestimmt ziemlich dämlich aus, aber ich wollte nicht nass werden.

Heute habe ich den letzten Ferientag überstanden UND überlebt! Ich war mit Georgia und zwei ihrer Freundinnen in Stevenage bowlen. Ich habe tatsächlich bei zwei von drei Spielen gegen die 10-jährigen Gören verloren. Allerdings habe ich auch keine Barrieren verwendet, die das Abtriften der Bowlingkugel verhindern. Andernfalls wäre ich unschlagbarer Gewinner geworden. Die Kids haben ganz schön Gas gegeben und das ein oder andere Mal Bowling mit Schlagball-Weitwurf verwechselt. Manchmal dachte ich sogar, dass die Kugel auf die Nachbarbahn hüpft. Zwei Spiele waren viel zu schnell vorüber, also buchten wir noch eine weitere Runde (stolze 17 Pfund!). Naja, was nix kostet, ist nix wert, richtig? Zwinkernd

Nun habe ich gerade meine innere Ruhe gefunden, denn morgen ist die Family nicht da, danach ist Wochenende und ab Montag bricht tatsächlich meine letzte Woche in England an (und Gott sei Dank OHNE Ferien). Ich freue mich unheimlich auf euch alle! Auf meine Heimat! Auf meine saubere Wohnung! Auf meine gewohnten Tagesabläufe!

Gestern ist allerdings das erste mal ein wenig Wehmut aufgekommen. Ja, ganz abgestumpft bin ich noch nicht. Ich habe an meinen ersten Tag zurück gedacht, wie ich das Haus betrat. Und mein erstes (und auch letztes) Toast mit Marmite aß. Seltsam, damals wirkte das Haus komplett anders auf mich. Es ist wie wenn du als Kind an einen Ort reist und diesen später als Erwachsener nochmal aufsuchst. Du siehst Dinge mit ganz anderen Augen.

Hier aber auch mal ein paar Dinge, die ich wahrscheinlich vermissen werde:

  • Fisch! Ess ich hier manchmal 2 mal pro Woche. Werd ich mir bald nicht mehr leisten können.
  • den Hund! Jaaa... little Puppy ist mir schon sehr ans Herz gewachsen (hab sie ja fast zu einer erwachsenen Lady erzogen)
  • Sam! Keiner kann was für das Umfeld, in dem man aufwächst. Trotz Reichtum ist er ein sehr bodenständiger, hilfsbereiter und dankbarer Mensch geblieben. Wir haben ein richtig gutes Verhältnis zueinander. Es hat zwar ein paar Monate gedauert, aber er respektiert mich, hört auf mich und ist nicht frech - Hut ab für einen 14-jährigen!
  • Chris! Leider habe ich ihn viel zu selten gesehen, da er jobmäßig stark eingespannt ist.
  • SKY-Fernsehen! Unglaublich, was man für tolle Movies anschauen kann. Mal ganz abgesehen von How I met you mother, Scrubs, Sex and the City und Jamie's 30-minutes meals
  • den Gaskocher! Richtige Köche kochen mit Gas. Ich möchte es eigentlich nie wieder missen.
  • Kreisverkehre! Ein Segen für einen fließenden Verkehr.
  • ...und bestimmt werde ich auch früher oder später die Natur direkt vor der Haustür vermissen (Spinnen ausgeschlossen). Zwinkernd
18April
2012

It's illegal!

Heute habe ich meiner Hostmom meine Boardkarte zugemail, damit sie die ausdrucken kann. Abends fragte ich dann etwas kleinlaut, ob sie schon die Abflugzeit gesehen. Da alles auf Deutsch war, hat sie sich offenbar nicht weiter hinein gelesen, also machte ich sie darauf aufmerksam, dass ich seeeehr zeitig am Flughafen sein muss. Um genau zu sein: spätestens um 4:00 Uhr früh/nachts!

Mein Hostdad wird über diesen Zeitraum nicht da sein und ich bin davon ausgegangen, dass die Kids sowies bei ihrem leiblichen Vater sein werden. Vertan! Sie sind das Wochenende doch bei uns und meine Hostmom kann die Kinder nachts nicht plötzlich alleine lassen, um mich zum Flughafen zu bringen. Ich hab sie dann gefragt: "Was soll denn nachts passieren, wenn die Kinder schlafen? Sie werden es wohl noch nicht mal bemerken, dass wir außer Haus sind." (Nochmal zur Erinnerung: Die Kinder sind 10 und 14 Jahre alt!!!) Ihre Antwort: "It's illegal to leave children under 14 years unattended." WOW! Auch das war mir neu und nun wurde mir einiges klar, weshalb ich die Kleine noch nicht mal 5 Minuten alleine im Haus lassen darf.

Ich dachte sofort an meine Kindheit:

...dass meine Schwester und ich - im übrigen auch alle meine FREUNDE! - schon ab der 1. Klasse alleine in die Schule gegangen sind. (Außerdem: Wie peinlich wäre es denn gewesen, noch bis zum 14. Lebensjahr von Mami vor dem Gymnasium abgesetzt zu werden? Hilfe!!!)

...dass wir nachmittags nach der Schule zu Freunden gegangen sind oder diese mit heim genommen haben - natürlich auch unbeaufsichtigt.

...dass meine Cousine und ich im furchtbar gefährlichen Wald Buden und Staudämme gebaut haben, ohne dass Papa uns die ganze Zeit auf Schritt und Tritt gefolgt ist.

Alles in allem haben wir schwerkriminelle Eltern, die eigentlich in den Knast gehören!!! Spaß beiseite Zwinkernd Um ehrlich zu sein, weiß ich noch nicht mal, wie streng die Aufsichtspflicht der Eltern in Deutschland geregelt ist.

Dafür habe ich mich erkundigt, wie es in GB aussieht (Quelle: http://www.direct.gov.uk/en/Parents/Yourchildshealthandsafety/Yourchildssafetyinthehome/DG_070594; Stand 18.04.2012):

"There is no legal age limit for leaving a child on their own, but it is an offence to leave a child alone if it places them at risk. Parents can be prosecuted if they leave a child unsupervised ‘in a manner likely to cause unnecessary suffering or injury to health’ (Children and Young Person’s Act).

How mature is the child?

The most important factor to consider is how mature the child is. For example, it may be okay to leave a mature 12 year old alone, but not a 13 year old who is not mature.

The National Society for the Prevention of Cruelty to Children (NSPCC) advises that:

  • children under the age of about 12 are rarely mature enough to be left alone for a long period of time
  • children under the age of 16 should not be left alone overnight
  • babies, toddlers and very young children should never be left alone

Things to remember

If you do leave your child home alone, remember to do the following:

  • leave a contact phone number and make sure you can answer it right away
  • leave a separate contact list of people you trust, in case they can’t get hold of you
  • talk to your child before you leave about how to stay safe, and tell them not to answer the door to strangers
  • make sure dangerous objects like matches and knives are out of reach, as well as medicines and dangerous chemicals
  • leave clear instructions on what to do in case of an emergency (like a fire)
  • tell them what time you will be back, and don’t be late
  • set some basic rules about what they can and can’t do while you are out
  • teach them basic first aid

Finally, it is important to make sure that your child is happy to be left alone. If they aren’t confident about being left alone then find someone to look after them."

Ich denke einfach, dass sie ihrer Tochter nicht zutraut, alleine daheim zu bleiben. Die Kinder werden/wurden ja auch nicht unbedingt zur Selbstständigkeit erzogen...

To put all things in a nutshell: Wie es aussieht, wird mir wohl ein Taxi bestellt, dass mich nach Luton bringt. Selbstverständlich bezahlt das die Gastfamilie. Geld spielt offenbar keine Rolle - ich erinnere mich daran, dass Martin und ich für eine gerade mal 3-Meilen-Strecke fast 9 Pfund zahlten. Ich rechne also mit einem Betrag von 40-50 Pfund plus Nachtzuschlag Überrascht

17April
2012

3 Tage von 3 Wochen

Das Wochenende ging fix vorbei: am Sonntag traf ich mich mit Jule bei ihr zu Hause. Ich wollte auch mal einen Eindruck bekommen, wie sie so lebt. Sie erzählte mir schon bei unserem ersten Treffen, dass sie in einem Wohnwagen wohnt. Ihr Gasteltern, beide Polizisten, verdienen nicht die Welt und haben ein Haus mit gerade mal 4 Zimmern. Natürlich ist das für uns eigentlich schon jede Menge, aber es geht natürlich auch größer (wir haben 6 Zimmer). Platz für ein Au Pair war also noch nie geplant und somit haust sie in einem Wohnwagen. Ich finde es recht abenteuerlich! Abgesehen davon, dass du durch den Garten laufen musst, um das Bad aufzusuchen. Andere Au Pairs haben auch nur ein Zimmer, dass gerade mal so groß ist wie ein Caravan.

Natürlich tauschen wir uns über Erlebnisse und Eindrücke aus, haben aber auch sofort einen ganz persönlichen Draht zu einander gefunden. Ich bin wirklich ein bisschen traurig, dass wir uns nicht schon eher kennengelernt haben.

Im Übrigen verdient sie genauso viel Taschengeld wie ich, muss aber gerade mal die Zimmer und Wäsche der Kinder sauber halten. Ihr Vorteil, dass sie das erste Au Pair in der Familie ist. Zwinkernd Meine persönliche Theorie sieht wiefolgt aus: hat eine Familie über mehrere Jahre Unterstützung von einem Au Pair, schleichen sich mit der Zeit gewisse Dinge ein. Das eine Au Pair kocht jeden Abend für die Familie, das nächste räumt immer alles Liegengebliebene auf und das andere kauft mal gelegentlich Lebensmittel ein wenn etwas fehlt. Heraus kommt die perfekte Haushälterin&Nanny in einem. Es wird wohl vom nächsten Au Pair erwartet, dass es mindestens genauso gut ist wie das vorige und mindestens die gleichen Dinge erledigt. Also eine eierlegende Wollmilchsau.

Zurück zu meinem Alltag: Montag ging von alleine vorüber; ich hatte 5 Maschinen gewaschen, weil die Kids ja nach 2 Wochen aus dem Urlaub heimgekehrt sind. Da die Mom zu Hause war, konzentrierte ich mich auf den Haushalt und dafür den Rest der Woche entspannter angehen (mal ganz abgesehen davon, dass es nach einem Tag schon wieder aussieht wie Sau).

Die Kids haben noch immer eine Woche Ferien übrig. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, dass ich von 3 vollen Wochen gerade mal 3 Tage (Di-Do) am Drücker bin. Heute hatte ich die beiden alleine und alles lief unerwartet gut. Georgia machte voller Eifer ihre Hausaufgaben, Sam schlief fast bis Mittags und am frühen Nachmittag stand ein Kinofilm auf der Tagesordnung: "Mirror, mirror" mit Julia Roberts. Sehr witzig, den Kindern hat es auch ganz gut gefallen und ich fand es sehr schön, mal endlich richtige Au Pair-Tätigkeiten zu übernehmen. Alles in allem habe ich zur Zeit zu der Kleinen einen besonders guten Draht. Wir gingen später mit Bella Gassi und konnten ungezwungen quasseln, ich zeigte ihr einige Tricks, wie man den Hund ruhig stellt. Martin sagte: "Sie ist sicher nur so gut drauf, weil sie weiß, dass du in zwei Wochen fort bist." Lachend Glaub ich auch! Und wenn...? Solange sie mir meine letzten Tage in England versüßt, soll es mir doch mehr als Recht sein.

14April
2012

Ab hier nur noch 2,5 Stunden

Der Samstag war vielversprechend sonnig. Man mag es kaum glauben, aber mit Beginn des Monats April setzte wirklich das unberechenbare Aprilwetter ein. Was in Deutschland in den letzten Jahren eher zum Mythos geworden ist, bleibt hier Realität im Format der Superlative! Die letzten Tage war es meist tagsüber wunderschön sonnig. Gelegentlich kam mal ein kräftiger Schauer hinunter, der sich beizeiten wieder verzog. Ab Abend hagelte es sogar ganz heftig, hörte aber urplötzlich wieder auf.

Zurück zum Samstag: ich verabredete mich mit Jule, dem deutschen Au Pair aus Watton-at-Stone, bei mir daheim. Sie konnte ihr Auto in meiner Einfahrt lassen und wir fuhren mit meinem gemeinsam zum Bahnhof. Bereits um 11 standen wir in einer wahnsinnig langen Schlange des Wachsfigurenkabinetts Madame Tussauds. Dort teilte man uns mit: "Ab hier warten Sie nur noch 2,5 h bis zum Einlass." Wir machten uns aus, dass wir erstmal schauen, wie es voran geht, wir könnten die Schlange noch immer verlassen, wenn es uns zu bunt wird. Erstaunlicherweise ging es unheimlich schnell voran und bereits nach 45 Minuten standen wir schon am Eingang. Wir waren wirklich happy - bis wir feststellten, dass INNERHALB des Gebäudes mindestens nochmal so viele Gäste anstanden. Wir fühlten uns hinter's Licht geführt, wollten aber nicht auf halbem Weg aufgeben. Außerdem nutzten wir die Zeit zum Quatschen, schließlich hatten wir uns sehr viel zu erzählen. Die fast 1,5h (juhuuu, eine Stunde eingespart!) haben wir gut rumbekommen und waren froh, endlich loslegen zu können. Über den stolzen Preis von 30 Pfund pro Person darf man noch mehr staunen als über die Exponate! Zum Glück hatten wir mal wieder die 2for1-Tickets eingelöst und sparten uns jeweils die Hälfte des Preises.

Drin war natürlich die Hölle los! Jeder wollte mit SEINEM Star abgelichtet werden, was das Fotografieren für uns sehr interessant gestaltete. Wir wählten folgende Taktik: die Figur bereits anvisieren, wenn der Gast noch daneben steht, ausgelöst wird aber erst, wenn dieser verschwindet und der nächste schon zum Laufen ansetzt.

Auf der Toplist waren natürlich Teeny-Stars wie Robert Pattinson (Twilight) und Justin Bieber. Außerdem wollte jeder mit SEINEM Staatsoberhaupt abgelichtet werden. Wo die Russen ihren Putin fast abgeknutscht haben, zeigte ich hingegen unserer Bundeskanzlerin den Mittelfinger (leider habe ich das Foto nicht auf meiner Kamera). Ganz skurril wurden die Gesten bei Hitler, der direkt neben Churchill steht: von einem angedeuteten Kopfschuss bis hin zum Hitlergruß war alles dabei.

Jim Carrey begrüßte mich gleich am Eingang John Travolta und... ...Nicole Kidman sehen in Natura genauso plastisch aus wie als Wachsfigur. Wer könnte das wohl sein? Captain Jack Sparrow - die Leute standen Schlange! Lady Di musste leider abseits der Royal Family stehen Van Gogh ist und bleibt Inventar von Madame Tussauds Kylie Minogue in einer anderen Pose als vor 10 Jahren ;) Meine Gasteltern sagen, ich sehe aus wie Britney Spears. Ich hoffe ja wohl nicht!!! ;)

Dem aktuellen Thema "Olympische Spiele in London" waren sehr viele (britische) Sportler nachgebildet, was zum Teil sehr beeindruckend war.

Für 30 Pfund bekommt man aber nicht nur langweilige Wachsfiguren zu sehen. Die Tour führte weiter durch ein Gruselkabinett, dass ähnlich wie das London Dungeon war. Ich kann mich daran erinnern, dass es dieses auch schon vor 10 Jahren gab. Neu war jedoch eine Art Gondelfahrt alle Epochen in London. Wir freuten uns vor allem, endlich mal wieder zu sitzen. Mein persönliches Highlight war das 4D-Kino mit den Super Heroes. Die Super Helden (Spiderman, Wolverine, Invisible Woman, Incredible Hulk, ...) beschützten London vor dem Bösewicht. Die Effekte waren absolut authentisch dargestellt: Spiderman fiel in einen Brunnen und schon wurde das Publikum tatsächlich nass gespritzt. Wolverine fuhr seine Krallen aus und wir bekamen diese im Rücken zu spüren. Hulk stampfte direkt am Madame Tussauds vorbei und der ganze Saal vibrierte. Und die mit Atombomben versehenen Käfer surrten durch den gesamten Kinosaal und striffen ständig unsere Beine. Wieder was zum Lachen und Quieken - für mich genau das richtige Entertainment!

Den restlichen Tag verbrachten wir in irgendeinem Bus ins Nirgendwo, um einfach mal ein bisschen zu sitzen und dabei unbekannte Ecken von London zu sehen. Wir spatzierten noch ein wenig durch den Hyde Park und traten am frühen Nachmittag vor lauter Müdigkeit wieder unseren Heimweg an.

13April
2012

Mal ruhig, mal weniger ruhig

Die komplette Woche kann man eigentlich unter einem Begriff zusammenfassen: FREI!!! Warum, war mir nicht wirklich klar. Die Kids waren noch bis Ende der Woche im Urlaub, also war von der Seite her nix zu tun. Dennoch dachte ich, ich hätte Unmengen an Wäsche zu waschen und zu bügeln, schließlich sind die Eltern gerade aus einem 10tägigen Urlaub zurückgekehrt. Darum kümmerten sie sich jedoch selbst und gaben mir die komplette Woche frei.

Ich freute mich total, die drittletzte Woche total entspannt angehen zu können. Es war fast ein wenig zu ruhig. Ich kümmerte mich weiter um Bewerbungen, traf mich am Mittwoch Abend mit Patri beim Italiener. Außerdem packte ich eine Umzugskiste mit all den Dingen zusammen, die ich nicht mehr dringend benötigen werde. Immerhin passten fast 14 Kilo hinein! Spaßeshalber packte ich die restlichen Klamotten in meinen Koffer und er wog ebenfalls gerade mal 14 Kilo! Nun ja, es kommen eventuell die ein oder anderen Kosmetikflaschen dazu sowie Schuhe und sicher noch ein Abschiedsgeschenk. Aber das sollte keine 6 Kilo ausmachen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich ohne Übergepäck meinen Heimweg nach Deutschland antreten werde. (Ausgenommen, ich möchte den Hund noch im Koffer verstauen...) Zwinkernd

Am Donnerstag sollte es zu Abend deutlich lauter werden. Unsere Nachbarn, mit denen wir uns praktische eine riesen Einfahrt teilen, luden zur Party ein. Tagsüber wurde bereits ein riesigen Festzelt im Garten aufgebaut. In England fängt man bekanntlich zeitiger an zu feiern als in Deutschland und bereits 20:00 Uhr gröhlten die ersten betrunkenen Jugendlichen in unserer Einfahrt. Es war nicht das erste Mal, dass Flaschen zu Bruch gegangen sind und die Kids sich mit umfangreichem Vokabular wie "fucking", "bloody" and "shut up" anschrien. Alles im allem sehr niveauvoll und ab einer bestimmten Uhrzeit störend (für MICH allerdings sehr unterhaltsam, da sich alles direkt vor meinem Fenster abspielte!). Ich fragte meine Gasteltern lachend, ob sie mitbekämen, was draußen los sei. Sie waren weniger davon angetan und hatten wenige Minuten zuvor bei der Polzei einen anonymen Anruf getätigt. Mein Hostdad hätte am Folgetag ein wichtiges Meeting. Er sagte, damit wäre wohl die Party beizeiten vorbei, weil viele der Jugendlichen noch underage wären. Meiner Meinung nach nicht die "feine englische Art" (oder doch???) mit seinen befreundeten Nachbarn umzugehen. Man hätte ja wenigstens zuvor persönlich vorbei gehen und um Ruhe bitten können. Aber direkt bzw. offen zu sein, scheint eben nicht typisch Englisch zu sein.

Die Feier war in der Tat gegen 23 Uhr zu Ende. Wie ich aber am Samstag von Sam erfuhr, lag es wohl an Partycrashern, die sich uneingeladen unter die Gäste gemischt hatten. Auf dem Dorf wird es eben auch nie langweilig...

09April
2012

M&M = Mamma Mia?

Endlich Montag! Endlich waren die Gasteltern aus Tunesien zurück gekehrt. Endlich mussten wir unseren Tag nicht mehr mit Hundi planen. Endlich war der Tag gekommen, an dem wir unsere größeren Pläne in die Realität umsetzten. Einziges Hindernis war an diesem Tag leider das Wetter, das uns einen Strich durch die Rechnung machen wollte.

Eigentlich war schon seit Martins letzten Besuch geplant, Greenwich (gespr.: "Grännitsch") zu besichtigen. Dazu zählte nicht nur der Nullmeridian, sondern eine 4-stündige Tour durch den angrenzenden Park. Ich habe einen fantastischen Reiseführer, der solche Walks im Detail vorgibt - perfekt! Am 30.Dezember 2011 cancelten wir einst diesen Plan, weil es regnete und damals die "DLR"-Line gesperrt war. Und auch am 9. April 2012 gab Petrus sein Übriges.

Deswegen entschieden wir uns erneut für den halt "London Bridge". Zunächst schlug ich Martin vor, ihm ein richtiges Gruselkabinett zu zeigen. Ich wollte ihn nicht mit der Enttäuschung aus dem "London Tombs" nach Hause fliegen lassen. Ich warnte ihn aber auch, dass die Warteschlange am Wochenende/an Feiertagen meist bis zur nächstgelegenen U-Bahn-Station reichte. Leider bestätigte sich diese Theorie. Plan B: Wir besuchen das "Winston Churchill Britain at War Experience" - alle grausigen Touristenattaktionen befinden sich eben auf der Tooley Street. Vielleicht erinnert ihr euch an meinen Artikel vom "Imperial War Museum", das alle Kriege aller Nationen beleuchtete. Anders wurde im Britain at War Experience der Krieg aus Sicht der Engländer dargestellt, was uns deutschen mal einen ganz andern Blickwinkel erlaubte.

Martin im Schutzbunker Oh Gott! It is gone!

Mein ausgewachsener, starker Freund - dessen Energiehaushalt zur Zeit sehr hoch ist - lechzte schon nach dem ersten Museumsbesuch wieder nach Nahrung. Offenbar hat eine Schüssel Cornflakes nicht ausgereicht (Weetabix wollte er ja nicht). Zwinkernd Glücklicher Weise gab es auf der gleichen Straße ein TESCO Metro Express. Schon immer habe ich mich gefragt, wo die Londoner ihre Lebensmittel beziehen. Natürlich habe ich schon viele dieser kleinen Shops gesehen, aber ich empfande nicht, dass man sich damit gescheit den Kühlschrank füllen kann. Anders in unserem Exemplar: es gabe eine Salatbar, an der man sich bedienen konnte, einen Ofen, in dem abgepackte Lebensmittel warm gehalten wurden und überhaupt fehlte es an nix. Wir entschieden uns für die Sparversion und kreierten uns ein Menü von Leckereien, die noch am selben Tag ablaufen sollten - und ALLES um 50% reduziert! Für nicht mal 6 Pfund bekamen wir ein warmes Hühnerbein, zwei frische Brötchen, zwei belegte Baguettestangen, eine gefüllte Pastry, eine kleine Packung Sushi und eine Diet Coke. Dazu fällt mir gerade ein, dass in England niemand Cola light kennt. Gleiches Design, aber anderer Name. Außerdem hatte ich mal in einer Bar eine "Coca Cola" bestellt und dafür einen "Wodka Cola" bekommen. Seltsamerweise ist die Marke nur unter dem Namen "COKE" bekannt...

Wir stiefelten weiter zur Tower Bridge (unglaublich, wie oft ich die letzten 6 Monate schon dort war!), hinüber auf die Seite des Tower of London und entschieden uns doch noch für einen Abstecher nach Greenwich. Schließlich konnten und wollten wir nicht den ganzen Tag in Museen verbringen, wo es doch noch so viel zu sehen gab.

Ich war sofort begeistert von dem Stadtteil, der im Südosten Londons liegt. Diese Stadt ist einfach so facettenreich und keine Ecke gleich einer anderen. Überall triffst du unterschiedliche Typen und Kulturen an. Überall siehst du verschiedene Baustile. Ich denke dabei vor allem an Notting Hill, Camden, Hempstead, Dockyards...

Martin war bereits vor 10 Jahren mit der Schule am Nullmeridian und führte mich durch die Straßen, als wäre er gestern das letzte Mal dort gewesen. Das Wetter war noch immer bescheiden und ruinierte meine Frisur - nicht besonders vorteilhaft für all die Fotos. Lasst euch trotzdem von unseren Aufnahmen auf eine kleine Reise führen.

  Not very impressed by the weather Der vollkommen normale Wahnsinn Nullmeridian Vor den Londoner Kulissen

Sofort musste ich mich an eine English lesson aus der 12. Klasse erinnern. Wir sollten eine kleine Londontour organisieren und diese dem Kurs vorstellen. Alice: "We also can go to the Royal Observatory. I don't know what it is, but it is for free." Lachend Diesen Satz werde ich nie vergessen; danke, Alice! Diese Information ist leider im Jahr 2012 generalüberholt; wir hätten 7 Pfund pro Person blechen müssen...

Dafür bekamen wir einen Filmdreh am Royal Naval College mit. Alles war sehr historisch gehalten, sogar die weißen Fassaden der Gebäude wurden offenbar mit schwarzem Ruß bepinselt, dass der Sandstein etwas älter wirkte. Neugierig fragten wir einen der Securites, was hier vor sich ginge. Er erklärte uns, dass u.a. RUSSEL CROWE und HUGH JACKMANN an einem Film drehten. Wie ich später herausfand, handelt es sich um "Les Miserable", welcher 2013 in den Kinos anläuft. Mit July hätte ich sicher noch Stunden vor dem Set gewartet, um wieder mal einen Celebraty abzufangen, aber Männer tangiert das eher peripher. Wir traten unseren Weg zum Theater an und passierten dabei nochmals das beeindruckende Bankenviertel in den Dockyards.

Am Picadilly Circus sind wir überaus zeitig angekommen und suchten nach eine Pub, in dem wir noch ein Bierchen trinken könnten. Leider Fehlanzeige, denn in dieser Gegend wimmelt es nur von Fast Food Ketten. Ganz spontan entdeckte ich den M&M's World. Ein Laden über drei Etagen, in dem es alle Merchandising Produkte von M&M zu kaufen gibt. Ganz zu schweigen von den vielen E-Stoffen, die sich hinter den kunterbunten, leuchtenden Schokodrops verbergen. Die Auswahl war enorm und die Süßigkeiten in meterhohe Rohre gefüllt. Ich entschied mich für die UK-Farben: 2,10 Pfund/100g. Weit und breit keine Waage zu sehen. Ups, da waren plötzlich viele M&Ms in meinem Beutel gefüllt - und an der Kasse wurde mein Portemornaie um 5 Pfund leichter. Überrascht Immerhin hatten wir einen Snack für's Musical.

Ich kann es kaum erwarten... ...und Martin kann es kaum fassen! YUMMIE!!! M&M in UK-Style

Im Übrigen gehört das M&M's World in London zu einen der vier Stores weltweit. Weitere findet man in New York City, Orlando und Las Vegas.

Nun war es endlich an der Zeit, dem Highlight von Ostern entgegen zublicken. Ich organisierte schon Wochen zuvor Tickets für das Musical "Mamma Mia!". Einen Abend zuvor schauten wir uns den Originalfilm auf englisch an, um einen Eindruck über die Handlung zu bekommen. Schon die Location war sehr edel und kaum zu vergleichen mit dem Lyric Theater von THRILLER. Martin gönnte sich noch ein Bier und erschrak über den Preis von 4,50 Pfund für 0,33l! Aber offenbar war es noch nicht teuer genug, um vor einem zweiten zurückzuschrecken. Zwinkernd

Da lässt sich jemand das Bier besonders gut schmecken

Die Show war absolut fantastisch! Es steckte viel Witz und natürlich jede Menge tolle Musik dahinter. Zum Schluss stand das Publikum und tanzte und klatschte zu den Abba-Songs. Ich wünschte, es hätte nie aufgehört. Jeder, der sich mal etwas besonderes in London gönnen möchte, dem empfehle ich ein Besuch dieses Musicals im "Prince of Wales Theater".

Leider ging mit diesem Abend auch unser gemeinsamer Englandurlaub zu Ende und Martin verließ am Folgetag die Insel schon wieder. Wir hatten eine schöne Zeit und ich hoffe, dass ich ihm ein bisschen von meinem englischen Leben zeigen konnte. Jetzt ist es auch nicht mehr all zu lange, bis mein Abendteuer dem Ende neigt...

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